Paradoxien der Zeiterfahrung in der Beschleunigungsgesellschaft
Was bedeutet es, in einer Beschleunigungsgesellschaft zu leben? Menschen
in modernen Gesellschaften fühlen sich notorisch gehetzt und unter
Zeitdruck. Ihnen wird die Zeit knapp, obwohl die moderne Technik mit immer neuen Geschwindigkeitssteigerungen Zeitressourcen einzusparen hilft. Woran liegt das? Wie kommt es zu dem verbreiteten Gefühl, dass wir immer schneller laufen müssen, nur um unseren Platz zu halten? Wieso beschleicht uns immer häufiger der Verdacht, dass sich hinter dem rasenden Wandel vieler Oberflächen ein struktureller und kultureller Stillstand verbirgt?
Wieso haben wir mit Ödön von Horvath das Gefühl, "eigentlich ganz anders
zu sein", aber leider "immer seltener dazu zu kommen"?
Die moderne Zeiterfahrung ist voller Paradoxien, die der Vortrag zu
entschlüsseln versucht, indem er die verschiedenen Beschleunigungsfelder
systematisch mit unseren Alltagserfahrungen in Beziehung setzt. Dabei soll
unser Umgang mit den modernen Medien, die unsere Zeitwahrnehmung
tatsächlich revolutioniert haben (Fernsehparadoxon), ebenso wie unsere
Entscheidungs- und Bindungsprobleme angesichts der spätmodernen
Optionenvielfalt und unsere Überlebensstrategien angesichts einer auf
Dauer gestellten Konkurrenzsituation in der Berufswelt zur Sprache kommen.