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und "Innovative Sonderprojekte mit Neuen Medien" des Landes Salzburg

DAS FESTIVAL

Basics Festival 2005

Ein gegenwärtiger Befund lautet, so scheint es, dass wir unsere Zeit als temporeich und rasend empfinden. Wer und was treibt 'Zeit' an? Welche "Beschleunigungs-Agenten" sorgen in der westlichen Gegenwartsgesellschaft für Tempo? Beschleunigung wird - zumeist gekoppelt an die Einführung neuer Medientechnologien - all zu oft zur negativen Folie einer kulturkritischen Analyse. Einhergehend mit dieser Verlustrhetorik über entzogene Zeit stellt sich nach wie vor die Frage nach einer Verfügung über Zeit: doch weder ist sie an sich verfügbar noch veränderbar, sehr wohl aber die Vorstellungen über sie und die (Macht produzierenden) Ordnungen, die mit diesen Vorstellungen einhergehen. Andererseits evoziert eine dauernde Erwartung des Neuen das Gefühl von Dynamik und beschwört in bekannter Innovationsrhetorik den gesellschaftlichen Wandel. So ist unser Verständnis von Medienentwicklung von stets wachsenden Soft- und Hardware Voraussetzungen ebenso geprägt wie Technologie und Medien im allgemeinen als Indikator von Wissen, Fortschritt und Zivilisation gelten.

Innerhalb beider Pole - einer Verlustrhetorik einerseits und der Innovationsrhetorik andererseits - liegt metaphysisch gesprochen die Zeit im Bild des Flusses, des Stroms, des Laufes. Entgegen dieser klassischen Vorstellung einer eindimensional ablaufenden Zeit - wie beschleunigt oder gebremst, schnell oder langsam auch immer sie läuft, werden zunehmend die Risse im Zeitgefüge sichtbar.

Begriffskoppelungen, allen voran 'rasender Stillstand', sind aktueller Ausdruck der Paradoxien unserer alltäglichen Zeit-Wahrnehmungen und mithin auch deren Beschreibungsversuche. Kann es sein, dass die Beschleunigung bloß Oberflächen betrifft, hinter deren rasendem Wandel sich ein struktureller und kultureller Stillstand oder gar eine Regression verbirgt?

Hartmut Böhme wies darauf hin, dass gesteigertes Tempo auch das gesellschaftliche Unbewusste steigere und höchste Verdichtung und dunkelste Auslieferung zugleich beschere. Er stellte die These auf, dass Internet und Cyberspace als Wissensrevolution mittels avancierter Technik ein nach vorne reissendes Moment in sich tragen und gleichzeitig auch mythische Wiederholung und Regression besitzen (sozusagen in Art der Platon'schen Höhle).

Kann es sein, dass Zeit-Beschleunigungen generell nur illusionäre Wirkkräfte ausbilden? Dass an sich die Vorstellungen, dass sich Zeit beschleunigen ließe, illusionär sind, da die Zeit immer schon und nach wie vor Beständigkeit besitzt? Was aber ist das Beschleunigte? Wie ist die mit den techno-medialen Neuerungen verbundene Veränderung im Raum-Zeit-Gefüge fassbar und wie beschreibbar, ohne der ausweglosen Rede eines Verlusts das Wort zu geben und ohne der unglaubwürdigen eines Gewinns?